3
Okt
2007

München, kurz vor dem Wiesnfinale

Was mir ja noch nicht so richtig einleuchten will: Den Ballermann auf Malle, den findet jeder, der wenigstens noch ein bisschen was auf sich hält, unerträglich doof.

Den deutschen Ballermann namens Wiesn hält man derzeit noch für ein Event, bei dem man ganz zwingend unbedingt dabei gewesen sein muss. Dabei ist das Prinzip das gleiche: vollgeprolltes Massenbesäufnis, das erst ab 2 Promille auszuhalten ist. Schlecht aufgebrezelte Tussen in C&A-Dirndl, säftelnde Jungs in der Lederhosen. Und salmonellenverseuchte Fischsemmeln.

Chic, weil dort auch Boris Becker rumläuft? Ich bitte Sie. Becker sieht man üerall, wo mehr als zwei Kamera sind.

1
Okt
2007

Im Flugzeug, irgendwo über Deutschland

Man muss sich dann ja doch nicht wundern darüber, dass sie im Norden und jenseits des Weißwurst-Äquators alle ein bisschen grauen im Gesicht und in der Laune sind. Nach drei Tagen Dauerfeuer aus den Wolken ohne einen einzigen Sonnenstrahl und einem entsprechend herbstlich aussehenden Berlin reichen ca. 35 Minuten Flug, man überquert die Grenze in den Süden, die Wolken reißen auf - und man landet bei 20 Grad und strahlendem Sonnenschein und trotz all der Jahre, die man hier lebt, immer noch beeindruckend blauen Himmel in München. Werdet ihr nie haben, Berliner. Bei all der latenten Sympathie, die ich für euch habe.

Sonntags fliegen ist übrigens irgendwie ulkig. Nachdem dann ja da doch nicht so rasend viele Leute unterwegs sind, werden die Linien mit kleineren Maschinen bedient. Heutiger Lerneffekt: Eine Fokker klingt ein bisschen wie ein Rasenmäher beim Start, um dann in der Luft den trägen Sound eines Treckers anzunehmen. Gut, dass ich inzwischen alleine fliege. Ex-Kollege M., früher zeitweise mein Dauerbegleiter auf Flügen (O-Ton am Flughafen, als ich ihn darauf aufmerksam mache, wer hinter ihm steht: "Wer issn Olli Kahn?") , der schon mal einen Wald mit der Startbahn des Flughafens Düsseldorf verwechselt, wäre glatt gestorben heute.

edit: Der Beitrag war eigentlich schon für gestern gedacht. Ließ sich aber nicht publizieren, weil twoday dauernd irgendwas von "allgemeinem Fehler" faselte. Der Gedanke, dass München Mitte demnächst auf Wordpress läuft, wird wieder ziemlich konkret, auch wenn ich dann womöglich zwei meiner drei Leser verliere.

29
Sep
2007

Zwickt´s mi

Ich verstehe die Logik selber nicht, aber seit ich Freitag mittag hier angekommen bin, habe ich dauernd was Wienerisches im Kopfhörer, wienerisch in Berlin, schön bescheuert...trotzdem, Wien ist groaßrtig und wienerisch klingt so sexy wie kaum ein anderer Dialekt, zumindest bei Frauen.

Gestern foa i mit da Tramway Richtung Favoriten ,
drauß´n regnts und drinnen stinkts und i steh in der Mitt´n.
Die Leut ob´s sitz´n oder stengan, alle hab´n se fade Augn,
und sicher net nur in der Tramway, i glaub, des hams den ganzen Tag!

Im Wirtshaus triff i immer an, der was Gott was erzählt,
er is so reich, er is so guat, er kennt die ganze Welt.
In Wirklichkeit is er des Letzte , arbeitsscheu und dauernd blau ,
dreckig isser, stinken duat er, kurz er is a echte Sau

Zwickts mi i man i tram,
des derf net woa sei,
wo san ma daham?
Zwickts mi ganz wurscht wohin.
I kanns net glaub´n ,
ob i ang'soff'n bin!
Do i glaub do hilft ka zwick´n,
könnt ma net vielleicht irgendwer ane pick'n ?
Danke jetzt is ma kloa,
es is wahr, es is wahr.

Die Jugend hat kein Ideal, kan Sinn für wahre Werte.
Den jungen Leuten geht´s zu guat sie kennen keine Härte.
So red´n de, de nua an Oasch kräun, Schmiergeld nehmen, packln tan,
noch an Skandal dann pensioniert werd´n kurz, a echtes Vuabüd san.

Berlin, unklimatisiert

Von Berlin habe ich, obwohl ich früher sehr, sehr oft und mittlerweile wieder halbwegs regelmäßig hier bin, nie sehr viel gesehen. Das erklärt auch, warum in meinem ansonsten ganz passabel sortierten Fotoarchiv unter "Berlin" ungefähr nichts zu finden ist. Ich war zwar in der Stadt, habe aber vom Leben hier nichts mitbekommen, zumindest nicht vom wirklichen Leben. Stattdessen bin ich in vollklimatisierten Taxen zu vollklimatisierten Hotelzimmern gebracht worden, ehe ich mich am nächsten Tag in mein Büro begeben habe. Auch vollklimatisiert. Die Menschen, mit denen ich dann zu tun hatte, waren ungefähr so berlinerisch wie ein Weißbier. Das lag nicht zwingend nur an ihrer geographischen Herkunft, sondern daran, dass in meiner Branche in meinem Umgeld sich damals zumeist Leute bewegten, die einen BMW-Fahrer für einen Hartz IV-Empfänger hielten und einen Absacker mit 20-Euro-Cocktails in einer Bar, in der Jungs mit schwer verständlicher Aussprache, zerrisssenen Designerjeans und Poldifrisur bedienen, für eine ganz normale Freizeitbeschäftigung hielten.

RIMG0029

Diesmal war einiges anders. Irgendwie war bei der Buchung des Hotelzimmers so ziemlich alles daneben gegangen, was man sich nur vorstellen kann (übrigens ist es immer wieder erstaunlich, wie schwer sich erwachsene Menschen mit Kommunikation tun, selbst dann, wenn es um die eher banale Frage geht, wer sich wann um das Hotelzimmer kümmert). Weswegen ich plötzlich in Neukölln landete und vor meinem geistigen Augen schon sah, wie mich Polizeibeamte aus den Fängen wildgewordener Rütlischüler befreien müssen. Neukölln ist dabei gar nicht so schlimm, wie man sich das nach diversen Reportagen bei Spiegel-TV vorstellen muss, eigentlich ist es sogar ganz schön, ein richtiger Kiez eben, mit vielen alten Bürgerhäusern und anderen Altbauten. Nur in zwei oder drei verschiedenen Straßenzügen sollte man sich eventuell abends nicht sehen lassen. Im Übrigen lerne ich daraus, dass es uns Journalisten nicht wirklich schadet, wenn wir ab und an mal wieder unseren Hintern in ganz normale Gegenden bewegen und uns dort ein Bild vom Leben machen, das "Bochard" ist vielleicht doch nur zum Promisightseeing geeignet.

Nachdem ich von diesen Nasen in den letzten Jahren genügend gesehen habe und auch nicht zu befrüchten steht, dass mir Begegnungen dieser Art in den kommenden Jahren ausgehen werden, beschließe ich diesmal, mir das unklimatisierte Berlin anzusehen. Aus den Fenstern eines Busses, kein Sightseeing-Bus, auch kein klimatisierter, nein: ein ganz normaler Linienbus von Neukölln nach Mitte (nein, falls der Einwand kommt: Vom Rütli-Neukölln habe ich nichts gesehen, mein Hotel ist ein ziemlicher Luxusklotz, nur eben weit draußen).

Mittendrin in der Busfahrt komme ich mir wie ein Alien vor. Kann das wirklich sein, dass ich jahrelang die Welt nur aus getönten Fenstern gesehen habe? Wird Zeit, dass sich das wieder ändert, denke ich mir, beschließe heute abend noch einen Besuch in irgendeinem Imbiss-Laden.

Genug gegrübelt. Da vorn kommt mein Ziel, willkommen zurück in der vollklimatisierten Welt.

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28
Sep
2007

Hochwertige Vollerotik

Interessant, welche Verbalverbiegungen sich Marketingtexter einfallen lassen müssen, um manche Dinge, die eigentlich völlig klar sind, zu betexten. Lustiges Detail im Hotelzimmer.

Hab ich schon erwähnt, glücklich zu sein, dass ich kein Werbetexter bin?

Murphy´s Law

...greift faszinierenderweise immer noch. Wenn was schiefegehen kann, geht es auch schief, Berlin erlebt mich heute abend schmollend im Hotelbett.

Draußen regnet es eh in Strömen.

27
Sep
2007

Frage an Knigge

Vom Naturell und natürlich auch der guten Erziehung her gehöre ich zu den höflichsten Menschen auf der Welt. Hab da aber jetzt einen Grenzfall: Darf man einem Geschäftspartner, vulgo einem Banker, der einem einen Geschäftsbrief schreibt und dort konsequent meinen Namen falsch schreibt - also, darf man dem unverblümt mitteilen, dass man ihn annähernd für debil hält und sich insofern wegen gewisser Zweifel an den restlichen intellektuellen Fähigkeiten gerne jemand anderes als Ansprechpartner wünschen würde?

Oder ist das dann unhöflich?

26
Sep
2007

Häschenohren, rosa blinkend

Zum Event gehört es offenbar dazu, dass sich Männlein wie Weiblein ein wenig zum Idioten machen, die Männlein anscheinend etwas mehr. Der Typ jedenfalls, der gestern abend noch in den Zug stieg, und neben seiner C&A-Tracht auch noch weiße Plüsch-Häschenohren trug, die rosa blinkten, sah nur noch traurig aus. Sein weibliches Adäquat in dem komischen Dirndl und den baisez-moi-Stiefeln aus weißem Kunstleder war allerdings auch nicht besser.

Wiesn ist Terror, echt jetzt. Freitag Berlin, gottseidank.

24
Sep
2007

Stuttgart, irgendwo im Wald

Mit Baden-Württemberg verbindet mich ein irgendwie ambivalentes Verhältnis. Ich habe dort ein paar Jahre als Kleinkind verbracht, kann mich nicht einmal richtig daran erinnern und habe seitdem den Ort des Grauens nicht mehr betreten. Das ist jetzt ein paar Jahrzehnte her und vermutlich tut man dem Ländle fürchterlich unrecht, wenn man es mit Kehrwochen in Verbindung bringt, mit zwanghaftem Ordnungswahn und der Vorstellung, dass dort abends sogar noch die Müllkippen aufgeräumt werden, eher einer der Müllkippenwärter kommt und zusperrt. Könnte ja sonst was geklaut werden.

Außerdem reden die Menschen komisch (I schau mal gschwind nach).

Von meinem Zimmer in diesem komischen Seminarzentrum, irgendwo am Stadtrand Stuttgarts, kann ich direkt auf den Flughafen schauen und auf die kleine Bergkette, die sich dahinter abzeichnet und in der ich meine paar Jahre hier verbracht habe. Komisch, sogar der Geruch hier in der Luft und in diesem Haus ist wieder genauso wie damals. Und wenn ich das nächste Mal hier bin (was absehbar ist), werde ich mich abends ins Auto setzen, losfahren - und nachschauen, wie sehr meine Erinnerung und die Realität noch kompatibel sind.

Satz des Tages

Es gibt kein Leben außerhalb Bayerns. Und falls doch, ist es kein Leben.

(Bruno Jonas, Niederbayer, im Spiegel)

22
Sep
2007

München, kurz vor der Wiesn

Ich hatte schon so eine Ahnung, warum es gut sein könnte, lieber noch schnell am Freitag mich durch München zu drücken, als am Samstag, zum Wiesnauftakt. Während des bayerischen Nationalrausches spielen sie alle gerne verrückt, vor allem die Nicht-Bayern. In Münchens Boulevardzeitungen sind sogar die Inserate der Damen und Clubs aus dem horizontalen Gewerbe heute auf italienisch (man muss wissen: wenn wir schon das ganze Jahr die Italiener mit unserer Anwesenheit quälen, so revanchieren sie sich gnadenlos während der Wiesnzeit). Davon abgesehen sind, göttliche Fügung, die Wiesnwochenenden eh vergeben, eines im superaufgeräumten Kehrwochen-Stuttgart, das andere in der pulsierenden Metropole. Statt Wiesn in München Kirta in Dingolfing Ende Oktober, das ist origineller, kleiner, schöner. Die Jungs säfteln nicht so und in Hauseingänge kotzende Japaner sieht man dort auch eher selten.

The Modfather...

...immer noch einer der Größten. Vor allem live und vor allem akustisch. Ich weiß das. Ich habs schon mal gesehen.
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